35. Vogalonga in Venedig

von Alex, 11. Juli 2012

Pfingsten 2009 machte sich ein kleiner Teil vom Daisy-Team auf die bislang längste Drachenbootreise. Bereits 1,5 Jahre zuvor wurde von den Riesendrachen die Werbetrommel für die Vogalonga in Venedig gerührt. Es hieß: „Das müsst Ihr erlebt haben. Sonne, blaue Lagune, Strand und ganz gemächlich paddeln.“

Die komplette Organisation wurde durch die Dresdener Löwen gemacht. Bis zum Start wurden aus vielen begeisterten Daisy´s nur fünf unerschrockene die sich auf die Reise begaben.

Robin, Uli, Anke und Alex fuhren mit den Riesendrachen, den Dresdener Löwen und den Dresden Bulls per Reisebus nach Venedig. Gerd und Susanna reisten per Flieger von Hamburg aus an.

Die Anreise per Bus ist eigentlich ein eigenen Beitrag wert. Start war 21:00 Uhr in Dresden am Mittwochabend. 21:45 Uhr dann die erste Pullerpause in Chemnitz. „Das kann ja heiter werden.“
Mit steigendem Alkoholpegel wurde die Stimmung im Bus immer besser. Die Gitarre wurde ausgepackt und unzählige vor allem nicht jugendfreie Lieder wurden angestimmt. Am Dreieck Holledau stieg dann der eigentliche Busfahrer zu. Ein echtes Multitalent. Nicht nur Bus fahren konnte er, nein navigieren, Witze erzählen und DJ alles während der Fahrt.

Um ca. 2:00 Uhr gab es im Heck des Busses einen lauten Knall und der Bus verlor sofort an Power. Zum Glück war der nächste „idyllische“ unbeleuchtete Packplatz gleich in der Nähe. Was war passiert? Die Spannrolle vom Zahnriemen hatte sich in Luft aufgelöst.

7:00 Uhr passierten wir endlich die Grenze nach Österreich. Da war schon die erste Hose voll gebrochen.

Nach insgesamt 16 Stunden kamen wir endlich auf unserem Campingplatz Ca Savio direkt am Strand der Adria an. Sofort ging es ans Meer baden. Schon war die anstrengende Fahrt vergessen. Untergebracht waren wir in großen Wohnwagen.

Am Freitag stand der erste Besuch in Venedig auf dem Plan. Aber nicht etwas mit Bus oder zu Fuß. Nein gleich mit dem Drachenboot. Quer über die Lagune ging es 10 km bis nach Venedig. Die Laguna war türkisblau und das Wetter super. Eins haben wir sofort gelernt: Auf uns nimmt keiner Rücksicht. Beim Überqueren der Motorbootschnellspur hieß es: „Alle paddeln volles Rohr“. In Venedig waren wir natürlich eine Attraktion. Wir sind den Canale Grande mit Trommelschlag bis zur Rialto-Brücke gefahren und danach mehrere kleine Kanäle. Es war an machen Stellen sehr eng, so dass es mit unter sehr knapp zu ging. Auf dem Platz Campo Santa Mageritha bei Pizza Al Volo gab es die wohl leckerste Pizza aller Zeiten. Die war riesengroß hauchdünn und kostete nur 5 €. Und das in Venedig! Nach der Rundfahrt durch Venedig ging es nach insgesamt 25 km zurück zum Campingplatz.

Samstag setzen wir per Fähre nach Venedig über. Mit einem Reiseführer bewaffnet zogen wir von einer Sehenswürdigkeit zur nächsten und haben keine ausgelassen. Zu Beginn war aber das Org.-büro der Vogalonga Anlaufpunkt. Dort bekamen wir die Startnummer für unser Boot und für jeden Teilnehmer ein T-Shirt. Dann ging es aber los. San Marco, Rialto-Brücke, Basilica, San Marco-Turm usw. An jeder zweiten Ecke gab es leckeres Eis. Gegen Nachmittag zog ein Unwetter auf, was uns aber nicht weiter beunruhigte. Als Highlight sollte es auf die kleine Insel San Erasmo zum Abendessen gehen. Antje von den Riesendrachen sagte, sie hätte gehört auf San Erasmo solle man Essen gehen. Dieser Geheimtipp war so geheim, dass es nicht einmal ein Restaurant auf San Erasmo gab.
Schlussendlich landeten wir total unterzuckert in einer Pizzeria direkt am Campingplatz.

Pfingstsonntag war es endlich soweit…  Die Vogalonga ist die größte Regatta der Welt. Zur 35. Vogalonga sind über 1.600 Boote an den Start gegangen. Es waren Kanus, Drachenboote, Ruderboote, Langruderboote und viele andere mehr. Die Vogalonga ist kein Wettkampf sondern eine Demonstration zum Erhalt der Lagune. Für die Zeit der Regatta darf kein Motorboot fahren. Startpunkt ist der Platz San Marco. Um Punkt 9:00 Uhr gibt es einen Kanonenschlag als Startzeichen. Es geht bei dem Rundkurs über 32 km nicht ums Gewinnen, sondern ums Ankommen. Wir sind natürlich vor dem Start wieder die 10 km quer über die Lagune gepaddelt.

An diesem Samstag meinte es der Wettergott nicht gut mit uns. Es war sehr windig und die Lagune war blauer als der Himmel. Bis zum Wendepunkt in Burano hatten wir nur Gegenwind und hohe Wellen. Bis zur Wende dauerte die Fahrt drei Stunden ohne Pause. Nicht einmal zum Pinkeln. Gerd weiß was ich meine. Die genaue Route ist unter www.vogalonga.eu zu sehen. Bis dahin war es sehr hart und nichts mit gemütlich paddeln. Links und rechts kenterten kleiner Boote. Auf Burano war dann Mittagspause, doch mitten auf einer dicht bewohnten Insel kann man nicht so einfach in die Ecken pinkeln. Vor allem die Frauen nicht.

Von Burano bis Murano hat uns der Rückenwind getragen. Zwischenzeitlich wurden die Boote aus Dresden links und rechts an uns fest gemacht und es gab reichlich leckere Getränke die rum gereicht wurden. So wurde auch die Stimmung wieder besser.

Kurz vor der Einfahrt nach Venedig am Canale di Cannaregio wurde es haarig. An dieser Stelle waren die Wellen höher als unsere Bootskante. Wir mussten zu viert mit kleinen Eimern während der Fahrt Wasser aus dem Boot schöpfen. Alle anderen haben mit aller Kraft gepaddelt. Im Nachhinein haben wir im Internet gelesen, dass an dieser Stelle über 50 Boote gekentert sind. Auf Youtube gibt es dazu auch mehrere Videos zu sehen: http://www.youtube.com/watch?v=04kubMTEJSE
Ohne unseren sehr guten Steuermann Mario wäre das schief gegangen.
Die Fahrt durch den Canale Grande wurde zum Triumph für alle Teilnehmer. Die Uferstraßen waren voll mit Touristen und Einheimischen. Am Ziel am Ende des Canale Grande gab es für jeden Teilnehmer eine Medaille und der Name jedes einzelnen Teilnehmers wurde vorgelesen.

Wir waren happy und total erschöpft. Jetzt ging es die 10 km zurück zum Campingplatz. Die Rückfahrt war noch einmal sehr anstrengend. Am Zielhafen angekommen ist vor unseren Augen das Boot der Dresden Bulls auch gesunken. Sie gerieten zwischen zwei vorbei fahrende Fähren und wurden von den dabei entstehenden Wellen versenkt. Nach dem Verlassen der Boote schwankte alles um uns herum. Dieses Gefühl ging erst nach zwei Tagen wieder weg.

An diesem Abend fielen wir vollkommen entkräftet aber glücklich ins Bett.

Am Pfingstmontag ging es dann zurück nach Hause.

Obwohl es sehr anstrengend war, sind wir uns einig gewesen 2014 zur 40. Vogalonga wieder mit am Start zu sein. Dann hoffentlich mit mehr Daisy’s an Bord.

Alex

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