von Jørnsen, 17. Juni 2006

Der Saisonauftakt 2006 mit der angekündigten Hammerdistanz über 8000m... was nicht zu verachtenden 8.000.000 (in Worten 8 Millionen) Paddelmillimetern entspricht... war zu Anfang vor allem eines ... grau und kühl. Bis ein Ducato vorfuhr und aus allen Ecken und Enden die Gänseblümchen-Paddler in grandios-bunten Hawaii-Hemden heranwuselten und gähnend unter der recyclefähigen Kopfbedeckung gen Himmel spähten.

Der morgendliche Farbflash, untermalt von trommelfellzerfetzendem Megaphon-Gekrächz, verriet den Umstehenden: "Aha, die Daisys mischen wieder mit"!!! Getreu dem bewährten Motto "Viele Hände – Schnelles Ende" begann der Camp-Aufbau. Auch ohne Kunstdünger und Regentanz (dafür mit enorm viel Hanfstrippe) schossen binnen kürzester Zeit enorme Gewüchse ( mittlerweile botanisch wohl als "Palmus pappus baegerii" klassifiziert) aus dem Schlackeboden. Die Premiere der Tropischen Bier Bar geriet zu Alex' persönlichem Triumph – Begeisterung allerorten. Nur die Hauptpfosten wollten zuerst nicht freiwillig in die "Erde" (!!!). Obwohl Tony glaubhaft versicherte, alles und jeden unangespitzt in den Boden rammen zu können, verpasste ihnen Mart zuerst eine waffenscheinpflichtige Spitze in der heimischen Tischlerei. Nun schwang Tony den Hammer, trieb die Pfosten mit seinem charmantesten Lächeln in den Grund, zerbrach den Bello und kostete uns fast einen Paddler, als der Hammerkopf nur eine Handbreit neben diesem einschlug… Aber egal, durch unsere hochmotivierten Neupaddler wäre es ein Leichtes gewesen, dies zu kompensieren. …Schwund gibt's eben überall…

Mittlerweile hatte sich auch beim letzten die Erkenntnis durchgesetzt, dass 8000 m unter Umständen eine gewisse körperliche Belastung darstellen würden. Zweifelnde Mienen im weiten Rund. Schicksalsergeben trotten die kurzerhand für den Paddelmarathon Nominierten durch die Pampa, einige suchten Trost beim einzigen Accessoire, das unverändert alle bisherigen Drachenbootevents begleitete…der Holstenflasche. Letztendlich half alles nix, der 8000er Kader ging zu Wasser, kurze Einweisung über Taktik und Technik und dann…senkten sich die Paddel rhythmisch in die Fluten, das Bumm-Tschak der Trommel dröhnte und die Daisy-Maschine lief an. Laut Anett "tut's erst mal weh, und dann wird's nur noch geil"! Bleibt nur zu sagen: "Amen!". Stimmte beides! Wie in Trance gingen die Oberkörper nach vorn, die Paddel rein, raus ...und der Kopf nach rechts. Thomas!! Durch das Ufergesträuch hopsend, irgendetwas wie eine explodierte schwarze Ratte auf der Birne und das Megaphon wie angeklebt vorm Schreiorgan. Das isser!! Trieb uns vorwärts…vor sich her... von sich weg? Jedenfalls sorgte er ohne Zweifel dafür, dass wir hellwach, wenn vielleicht auch nicht mehr topfit waren.
Ist es noch weit, Papa Schlumpf? Nicht mehr sehr weit... Auf diesen Distanzen waren wir, trotz des ersten Startplatzes, nicht vor Überrundungen gefeit, lieferten uns aber Kopf-an-Kopf-Duelle ("eh, wollt ihr'n Rennen ;O) ??" ) epischen Ausmaßes über Strecken von mehreren hundert Metern und verloren kein Rennen, sondern gewannen Respekt als einziges Fun-Team, das die Traute hatte, sich über acht Kilometer zu schinden. Nach der bejubelten Wende, den Strom im Rücken, eine krakeelende Anett (""Ihr seid soooooo geil!!! ...Wenn Du wüsstest..."") am Steuer flutschten wir die Elbe hinab, unserem Fan-Block entgegen und waren spätestens jetzt dankbar, dass das Wetter etwas kühler war. Fünf Minuten verloren wir auf der gesamten Strecke auf den Sieger. Fünf Minuten auf acht Kilometer…Peanuts!!
Raus aus dem Wasser, erstaunt den schlackernden Arm begutachten, Sachen wechseln, Nudeln und Getränk nach Wahl und die Gewissheit: "WIR SIND SOLCHE TIERE!!!!". Nach dieser Aktion konnten 250er, selbst 500er Rennen nur noch in die Kategorie Sprint-Rennen fallen, so die einhellige Meinung.
Nun, gestärkt und bereit zu neuen (Schand-)Taten, spielten wir in weltmeisterlicher Manier im Riesenkicker unsere Gegner an die Wand, sorgten für spektakuläre Spiele Daisy I gegen Daisy II, demonstrierten den praktischen Nutzen von Navigationssystemen beim Schubkarren-Rennen ("links...LINKS...Verdammt, das ANDERE Links!!!") und holten uns einen kostenlosen Vollrausch beim Auf-der-Wiese-um-den-Stock-drehen-und-loslaufen (hat das einen offiziellen Namen?). Das Tauziehen sorgte noch mal für einen Adrenalin-Kick, als unsere großen und/oder schweren Jungs das Gros der Konkurrenz mit ehrfurchtgebietenden Grunz-und Brüll-Lauten hinter sich her schliffen.
Zwischenzeitlich rissen wir noch das Rennen auf der 3000m Mittelstrecke herunter, um dem Paddelarm auch sicher den Rest zu geben und noch mal ein Achtungszeichen zu setzen. Diszipliniert fuhren wir auch diese Distanz mit teils neu gemischter Crew ab. Was sollte uns nach den 8000 jetzt auch noch schrecken?? Die Zeit für Gags kam mit dem Rückwärtspaddeln. Presse- und publikumswirksam wurde mitten auf dem Wasser auf der Bank gedreht, das Paddel im "reverse-mode" geschwungen und mit einem entspannten Grinsen zwischen den Ohren glitten wir in einer Fabelzeit an den Schaulustigen vorbei, in der Gewissheit, die letzte paddeltechnische Aufgabe des Tages gelöst zu haben.
Der Abbau von Mini-Hawaii verlief rekordverdächtig und organisiert (wer uns kennt, weiß, was das heißt) und nach einem kurzen Intermezzo unter der heimischen Dusche trudelten blitzblanke Gänseblümchen büschelweise zum Abfeiern wieder ein. Die Siegerehrung verließen wir um zwei Pokale für die Ruhmeshalle (a.k.a. Keller Nossener Straße) reicher und plazierten uns vor dem WM-Fernseher, rissen dem Chef de Cuisine seine leckeren und günstigen Fleischhappen aus der Hand, quasselten und tranken und... "mussten" zum Trinkspiel antreten. Die letzte Herausforderung dieses Hafenersatzcups... zehn Unerschrockene mit steinharter Leber traten an um sich jeweils zwei Bier oder zwei Schnaps in bestmöglicher Zeit hinter die Binde zu gießen. Einmal Reihe hoch, einmal Reihe runter ...und immer schön die leere Flasche umgedreht über den Kopf halten... ein taktischer Fehler in der Aufstellung verhinderte den Sieg, aber unsere unbestrittenen Qualitäten in dieser Disziplin würde uns wohl niemand wagen abzusprechen. Leichte Probleme verursachten nicht der Alkohol…weit gefehlt…sondern die Kohlensäure. Ihr war es geschuldet, dass noch geraume Zeit nach dem Wettkampf Geräusche aus der Dunkelheit erklangen, die an einen röhrenden Damhirsch, Wildschweine oder Riesenelche, jedenfalls etwas nicht-menschliches erinnerten. Nun aber war der Weg frei, kein Zwang, kein Wettkampf, nur noch Feiern. Und wer vermag wohl die Daisys da zu schlagen...?

Jørnsen

Alle Ergebnisse im Überblick

application/pdf Alle Spiele des Hafenersatzcups (21,0 kB)

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