Getrennt marschieren - Vereint feiern

von Pink Panther, 05. Mai 2005

Die Verlegung aus dem Sachsen- ins Tschechenland verlief auch dieses Mal nach der bewährten Taktik "Getrennt marschieren – Vereint feiern". Das Vorauskommando – chefmäßig ausgestattet mit zwei Handfunken – startete in den frühen Nachmittagsstunden. Die Nachhut sollte gegen Abend bzw. in der Nacht folgen. Über die Funkgeräte hielten Twingo „Daisy II“ (die Single-Karre) und Astra (die Pärchenschaukel) den Kontakt lange Zeit aufrecht, "Daisy II" enteilte erst auf der Autobahn auf der Jagd nach Kleinwagen mit Schneckenlenkung. Der Astra war aber auch gehandicapt: es war nämlich ein blinder Passagier an Bord...

Ungehindert passierten wir die Grenze und sausten durch polnisches Gebiet, sahen im Vorbeihuschen schöne alte Anwesen, umkurvten mondkraterähnliche Schlaglöcher, grüßten den altbekannten Holzpolizisten am Straßenrand und wunderten uns über André, der die viele gelbe Farbe in Polen bestaunte. Eine weitere Grenzkontrolle und etliche Kilometer später rollten wir schon durch unser geliebtes Harrachov hindurch, schlängelten uns Serpentinen hinauf und waren da – Rokytnice! Die Fahrt war geradezu bilderbuchmäßig verlaufen. Nicht jedem sollte das an diesem Tag vergönnt sein…
Die Unterkunft war schnell gefunden, eins-fix-drei das Gepäck entladen und der nächste Entschluss gefasst: Essen holen!! Mit nun leeren Autos ging es die halsbrecherisch steile Zufahrtsstraße wieder hinunter, in den Ort hinein und dann hieß es erst mal suchen. Wo ist 'ne Wechselstube? Nach den ersten Eingeborenenkontakten löste sich dieses Problem schnell in Wohlgefallen auf und mit zu Kronen mutierten Euros bewaffnet stürmten wir den örtlichen Edeka. Kurz vor 18.00 Uhr, der Laden drohte zu schließen, stapelten sich die ersten, mit lüsternen Blicken bedachten Gambrinus-Kästen im Einkaufswagen, Alkoholfreies, Knobi-Chips und Frühstücks-Fressalien wanderten hinterdrein. Nicht alles davon schaffte es bis in die Autos, die eine oder andere Wurst wurde unmittelbar auf dem Parkplatz verputzt.
Wieder im Feriendomizil eingetroffen, erfolgte eine gründliche Inspizierung, Andrés Bett wurde auf eigenen Wunsch in eine ungenutzte Küche umquartiert, damit er in den Nachtstunden ungehemmt ganze tschechische Urwälder zersägen konnte. Ein *plopp* *zisch* *Ahhhhhh…mmmhhh* zeugte vom ersten offenen Gambrinus, dem sich in Windeseile einige weitere anschlossen. Kurz darauf züngelten die ersten Flammen im Kamin, die Pizzen im Ofen bekamen langsam Farbe und sieben Daisys lümmelten sich ziemlich zufrieden auf den Stühlen. Irgendwann in der achten Stunde erreichte dann Twingo „Daisy I“ mit René und Uli als Besatzung sein Ziel, gerade noch rechtzeitig für ein paar Happen Pizza. Sobald Ulis berühmte 23 ;o) Koffer plus Renés Reisetasche verstaut waren, zogen wir auf ein fürstliches Mahl aus, bei dem zumindest der erste Gang feststand: Knoblauchsuppe! Wir speisten wie die Könige, kullerten voll gestopft den einen Hang hinunter, um uns dann den anderen wieder hinaufzuquälen…und dann hieß es warten. Fünf Exemplare der vierzehnköpfigen Gänseblümchenwiese waren nämlich in Polen verschütt gegangen. Fahrer- und Navigatorenteam waren aufgrund der fremdländischen Straßenschilder und schwärzester Nacht irgendwann ratlos, das Trio auf der Rückbank hatte sich in weiser Voraussicht mittels rezeptpflichtiger Whisky-Derivate aus der Verantwortung gestohlen, so dass nur noch eines blieb: Mutti anrufen. Mutti kratzte sich am Kopf, wälzte die Karte, versuchte polnische Bergdörfer zu finden und schließlich gelang es mit Instinkt und weiblicher Intuition, die verlorenen Kinder zum Ziel zu lotsen. Bravo, Alex !!!
In der Zwischenzeit hatte sich auch der blinde Passagier ausfindig machen lassen: Ein "Krümelchen" war mit auf große Fahrt gegangen – Anke und Alex werden Mutti und Vati… ähm…Mutti und Mutti…na irgendwie so. Fest steht, "Krümelchen" wird eine schwer überschaubare Zahl an Onkel und Tanten haben, die es verhätscheln und verwöhnen und ihm Blödsinn beibringen werden. Die Nachricht schlug ein wie eine Bombe, sodass das Kaminzimmer kurzzeitig zu einer Sammelstätte entgeisterter Gesichter wurde, deren Besitzer erst mit Hilfe des feierlich kredenzten roten Sektes ihre Fassung wiedererlangten. Tja, nur einer verpennte es und schlief bereits den Schlaf der Ahnungslosen. Jörn hatte sich zu dieser Zeit schon auf dem brettharten Bett zusammengerollt.
Der lang ersehnte Himmelfahrtstag – Andrés Geburtstag - begann grau in grau, Feuchtigkeit lag in der Luft und Wasser troff von den Zweigen. Die Frühaufsteher vom Dienst stellten eine gewisse Grundordnung wieder her, sorgten für loderndes Kaminfeuer und warteten gespannt, das Himmelfahrtsbier in der Hand, wer denn als nächstes das warme Bett verlässt. Eine strahlende Uli war die Erste und wurde umgehend zum Brötchendienst zwangsverpflichtet, aber der Liebe Nico und der Ahnungslose Jörn zeigten sich solidarisch und stapften mit in die Talniederungen. Wenig später saß dann die ganze Blümchen-Bande einträchtig beim Frühstück, mampfte vor sich hin und weidete sich gemeinsam an einem dummen Gesicht, dass perplex von einem Glas Sekt zu Ankes Bauch zu Alex und wieder zum Glas guckte und es schließlich, komplett geplättet, komplett austrank. Kleiner Krümel – Große Wirkung!
Gut verpackt starteten die Herren der Schöpfung dann ihre traditionelle Bergtour, um dem Himmel ein Stück näher zu kommen. Steil waren die Anstiege, unberechenbar die Regenschauer und …geschlossen waren die Bauden auf dem Bergkamm! Oh Elend! Wir wichen also auf Selbstversorgung aus, genossen selbstgeschlepptes Bier unter gastlichen Hüttendächern und lauschten dem Pladdern des Regens. Die alljährliche Schlacht mit Schnee-Restbeständen fehlte auch dieses Mal nicht. Später tappsten wir neben der Schanze den Teufelsberg hinab und kehrten in Harrachov zum Mittag ein. Auf der Rücktour, träge von Speis und Trank, nutzten wir den Lift um den Berg wieder zu überwinden. Mancher genoss die Aussicht, manchem schauderte vor ihr, aber letztendlich kamen wir ja alle heil oben an. Der Weg zurück war angefüllt mit geistreichen Gesprächen, dummen Sprüchen, Politisieren, Gelächter, Rastpausen mitten auf der Straße und der ständigen Suche nach dem Niveau. Bei Lichte betrachtet hatten wir keine Chance es zu finden – wir waren zu hoch droben in den Bergen, während es auf der Reise zum Mittelpunkt der Erde war. Wieder daheim angekommen, scharte sich die hungrige Männerschaft um den verführerisch duftenden Grill, klapperte mit dem Geschirr, schlug sich den Wanst voll und erstattete Bericht. Aber nicht nur wir hatten was erlebt. Die Damenrunde hatte ebenfalls Harrachov be- und den Glasladen heimgesucht und unsere Uli hatte die Hoffnung auf ihre Rührstäbe noch nicht aufgegeben. Wohl wissend, dass sie sie letztes Jahr in "unserem" Haus vergessen hatte, setzte sie unter knappen Erklärungen zum Sturmangriff an und wuselte unter den Blicken verdutzter Urlauber durch die Küche – leider erfolglos. Offenbar hatte sie aber Eindruck gemacht, immerhin bot man(n) ihr an, abends wiederzukommen. Aber sie wollte wohl doch nicht. Fröhlich und lautstark, bei Karten und Würfeln, ging dieser Tag zu Ende.
Der nächste Tag startete wiederum mit einem ausgiebigen Frühstück, das aber von endlosen Diskussionen begleitet war. Streitthema: Was machen wir heute? Die Wolken hingen tief am Himmel und ein steter Nieselregen ließ kaum auf Besserung hoffen. Wir beschlossen, uns aufzuteilen. Die konsumorientierten Weichpüppies zog es nach Harrachov zum X-treme Czech Shopping Adventure, während der Rest dem Wetter trotzte und die Wanderstiefel schnürte um den Problemzonen Bauch, Beine, Po was Gutes zu tun und ungeahnte Höhen zu erklimmen. Nur die Harten kommen in den Garten!!! In Rekordzeit absolvierten wir einen 19 km Gewaltmarsch bis auf 1040 Höhenmeter, wandelten in märchenwaldtauglichen Nebelschwaden und ließen sogar die Schneegrenze hinter bzw. unter uns. Über zum Teil fast meterhohe Schneefelder staksten wir dann wieder dem Tale zu, vorbei an malerischen wilden Wasserfällen. Trotz zwischenzeitlichem Stimmungs- und Formtief (O-Ton Manuela: "…ningel, ningel, ningel…")hielten alle eisern durch, lediglich unsere Mägen murrten gegen Ende immer lauter.
In dieser Hinsicht war die andere Sektion des Daisy-Teams wesentlich cleverer. Nachdem die Damen die Glasläden geplündert hatten und Olli demonstrierte, dass er nicht nur mit Getreidebauern, sondern auch mit tschechischen Fidschis knallhart verhandeln kann, erlag man (und Frau) den Verlockungen der internationalen Küche. Der ortsansässige Italiener wurde angesteuert. War die Bestellung zwar schnell aufgegeben, mussten die Shopping-Daisys doch lange auf ihre Pizzen warten. Des Rätsels Lösung: Pizza zu groß bzw. Ofen zu klein. Bei Pizzen in den Dimensionen eines Wagenrades darf aber durchaus Ersteres gelten. Zumindest satt sollte jeder von Ihnen geworden sein.
Gegen Abend saßen wir wieder einträchtig beieinander und mampften um die Wette, kurz bevor Karten und Würfel gezückt wurden, sich Idioten-Mau mit Schwindel-Mäxchen abwechselte und Bohnanza-Zocker neben Offiziers-Skat-Spielern Platz nahmen. Die reinste Spielhölle. Und quasi nebenbei wurden auch der tschechische Wodka, die Cola und die Kombination aus beidem getestet und für gut befunden. Der Hit des Urlaubs wurde auch gekürt: "Lass die Finger vom Bier, Manuela…", da die gute Manu nämlich auch Geschmack am Gambrinus gefunden hatte, was den Kerlen Sorgenfalten auf die Stirn trieb…außer vielleicht dem Olli-Clauß. Der einzige Störenfried dieses Abends und des gesamten Urlaubs war der "bekloppte Frosch"…
Auch am nächsten Morgen das gleiche Spiel: Aufwasch, Kamin an, Brötchen holen, Frühstück. An diesem Tag war die Marschrichtung eindeutig: Fußball war angesagt. Und der Wettergott hatte ein Einsehen, das Wetter hielt. Gestärkt fuhren wir nach Harrachov und während die einen noch Karten und Andenken erstanden, kickten sich die anderen inmitten parkender Autos schon mal warm. Wieder vereint, ging es auf den wohlbekannten Acker vorm Sporthotel und dann rollte das Leder. 13 Freunde waren wir und eine krümelnde Fotografin hielt mit –zig verschiedenen Apparaten die Glanzmomente fest. Mangelndes Talent wurde durch Enthusiasmus kompensiert. Mart entwickelte ungeahnte Torjägerqualitäten, während Rico mit der Präzision einer Streubombe seine gefährlichen unberechenbaren Flanken schlug, sodass der Ausfall unseres Stürmerstars vom letzten Jahr zu verschmerzen war. Ein Höhepunkt war das Sprintduell zwischen André und Susi. André, wie er selbst behauptete, war auf der kurzen Strecke unheimlich gefährlich und entschied den Lauf für sich. Oder war er gedopt? Oder Susi "gehoyzert"? Das bliebe noch zu klären. Die voller unerwarteter Angriffslust aufspielende Steffi sorgte für Schreckmomente, als sie sich unglücklich das Knie verdrehte und verletzt vom Platz musste. Noch mal Gute Besserung an dieser Stelle. Nach enormer körperlicher Ausarbeitung rückten wir geschlossen in den "Schirm" ein, reduzierten rücksichtslos die Hot-Dog-Reserven und kühlten wahlweise mit leckerem Gambrinus oder heizten mit Kakao nach. Gesättigt und wohl temperiert fuhren wir nach Rokytnice zurück, die Duschen riefen. Nach und nach verschwanden alle unter der Brause, um sich später in allen Nuancen duftend wieder vor dem Kamin zu sammeln. Dann hatten unsere Mädels ihre große Stunde und zauberten ein Festessen. Für alle Geschmäcker war etwas dabei, von Plinsen für die "Süßen" über Chillie für die "Scharfen". Lecker! Daumen hoch!! Dann schlug die Stunde der Hausmänner, Lappen und Bürste kreisten, selbst ein Fön (!) wurde zum Trocknen bemüht, bis alles blitzte und blinkte. Auch an diesem Abend rotierte der Würfelbecher, es wurde behumst, gelogen und betrogen bis sich die Balken bogen. Allerdings wurde auch viel gehustet und geschnieft, denn Alex, der alte Seuchenfuchs, hatte die halbe Mannschaft angesteckt. Auch das war ein Grund, warum sich viele schon etwas eher ins Bett verkrochen, um Matratzenhorchdienst zu schieben.
Der letzte Tag begann mit einem Paukenschlag. Kaum hatte man die Augen mit Müh' und Not einen Spalt breit geöffnet, kniff man sie schon wieder zu: ein blendendes Weiß wohin man sah. 15 cm Neuschnee über Nacht. Hallelujah!! Aber eigentlich keine Überraschung, war es doch im letzten Jahr ähnlich gewesen. Ein letztes Mal schlitterten wir zum Brötchenhändler unseres Vertrauens (ohne Uli, was ihr den Beinamen Schönwetter-Brötchen-hol-Uli eintrug) und kauften den Laden nahezu leer. Beim Frühstück galt es, soviel wie möglich zu vertilgen und auch diese Herausforderung lösten wir bravourös. Sodann Grobreinigung der Unterkunft, Sachen packen, alle noch mal auf die Toilette und dann ritten…äh…fuhren wir los. Unsere letzten Kronen wollten wir in Harrachov verprassen. Da angekommen, stapelten sich alsbald Becherovka, süße Kondensmilch, Zigaretten und Chips in den Gefährten und als letzte Urlaubshandlung rückten wir in die "Rotunda" ein – Lunchtime!!! Das folgende Chaos bei der Bestellung hatte dankenswerterweise keinen Einfluss auf die Essensqualität, es schmeckte, wie immer eigentlich, richtig gut.
Tja, und nach den obligaten Abschiedsphotos sattelten wir auf und brausten im Konvoi gen Heimat, der Trainingslagerurlaub 2005 war Geschichte. Nach einer Fahrt ohne nennenswerte Zwischenfälle waren wir gegen 18.00 Uhr wieder in heimischen Gefilden und eigentlich bleibt nur noch eines zu sagen:

"Heute ist nicht alle Tage – Wir kommen wieder, keine Frage!!"

(Pink Panther)

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